2. Mai 1990:
Erster T6A2/B6A2-Planeinsatz in Magdeburg
Vor 25 Jahren, im Frühjahr des Jahres 1985, stellte der tschechoslowakische Straßenbahnproduzent CKD einen neuen Fahrzeugtyp vor, der insbesondere für die Bedürfnisse deutscher Verkehrsbetriebe konzipiert wurde. Ein Großraumwagen mit moderner Steuerung, einer Breite von 2,20 m und einem ansprechenden Äußeren wurde geschaffen: der T6A2 und der dazu gehörende Beiwagen B6A2.

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Unser Verein
betreut im Auftrag
der Magdeburger Verkehrsbetriebe
die historische Fahrzeugsammlung
im Museumsdepot Sudenburg
Zwei Trieb- und einen Beiwagen lieferte CKD im Jahre 1986 als Prototypen zur Erprobung nach Dresden. Erst 1988 begann schleppend die Serienproduktion: Dresden, Leipzig und Berlin erhielten Fahrzeuge der T6A2/B6A2-Reihe, ab 1989 auch Magdeburg und Rostock. Durch die Wende erfuhr die Geschichte dieses Wagentyps eine jähe Zäsur. Heute, im Jahre 2010, stehen diese Fahrzeuge nur noch in Magdeburg und Rostock im Einsatz.
Der Verkehrsbetrieb in Magdeburg besaß als erster Straßenbahnbetrieb der DDR bereits seit dem 3. Juni 1978 einen typenreinen Tatrawagenpark aus den Typen T4D und B4D, die in allen Zugformationen eingesetzt wurden. Im Prager CKD-Werk endete die Produktion von T4D/B4D im Jahre 1986. Die Magdeburger Verkehrsbetriebe erhielten ab Dezember 1986 eine letzte Lieferserie.
Inmitten politischer Wendezeiten erhielten die MVB im Dezember des Jahres 1989 sechs Triebwagen des Typs T6A2 sowie im Januar 1990 drei Beiwagen des Typs B6A2. Im April des Jahres 1990 kamen noch einmal sechs Triebwagen und drei Beiwagen aus Schwerin hinzu, wo sie zwar auf den Gleisen des dortigen Betriebes standen, aber nie eine Wagennummer erhielten und nicht in den Linieneinsatz gelangten. Somit besaß Magdeburg zum Ende des Jahres insgesamt zwölf T6A2 (1275 – 1286) sowie sechs B6A2 (2143 – 2148), also sechs T6-Großzüge. Weitere Lieferungen unterblieben.
Die für Magdeburg gelieferten Fahrzeuge besaßen die Stadtfarben-Lackierung in elfenbein mit grüner Bauchbinde, während die Schweriner Fahrzeuge in der CKD-Werkslackierung rot/weiß gehalten waren. Am 2. Mai 1990 kamen die drei direkt nach Magdeburg gelieferten T6-Großzüge auf der Linie 7 (Neustädter See – Salbker Platz) erstmals zum Einsatz. Ab Sommer 1990 fuhren dann auch die Schweriner T6/B6-Fahrzeuge, und zwar in ihrer ursprünglichen Lackierung. Vorerst verkehrten diese Wagen auf den Linien 7 und 13. Nach der Ausbildung der Fahrpersonale fuhren die T6/B6-Fahrzeuge auch auf den Linien 1, 8, 9 und 10. Erst in der Mitte der 1990-er Jahre erfolgte dann auch der Einsatz auf den anderen Linien in Magdeburg. Die schlechte Verarbeitung zwang die MVB, alle Fahrzeuge im Herbst des Jahres 1990 nochmals zu lackieren, wobei die Schweriner Fahrzeuge auch die elfenbeinfarbene Farbgebung mit grüner Bauchbinde erhielten. Ein Großzug, der aus den Triebwagen 1286 und 1275 sowie dem Beiwagen 2148 bestand, warb in blauer Grundfarbe für die örtliche Zeitung Namens „Volksstimme“. Leider wurde am 7. Juli 1994 der Tw 1286 im Rahmen eines Auffahrunfalls so stark beschädigt, dass er im Januar 1995 verschrottet werden musste.
Die übrigen elf Triebwagen und sechs Beiwagen wurden in den Jahren 1995 bis 1997 in der Hauptwerkstatt Brückfeld modernisiert. Dabei wurden die Plastesitze bepolstert sowie Klappfenster, eine Haltestellenansage und –anzeige, ein automatischer Liniennummern- und Zielfilm eingebaut. Die Triebwagen erhielten statt der Scherenstromabnehmer einen Einholmstromabnehmer. Ebenso wurde die Federung der Triebwagendrehgestelle verbessert. Neulackiert wurden die teilmodernisierten Fahrzeuge entsprechend der neuen Farbgebung der Magdeburger Niederflurwagen in weiß mit grünem Absetzstreifen im Dach- und Fahrgestellbereich sowie umlaufendem roten Zierstreifen. In diesem Zustand sind diese Fahrzeuge bis heute unterwegs, wobei einige der Zielfilme gegen die aus den NGT8D getauscht wurden. Zwei Triebwagen (1280 und 1283) besitzen neue Türen, welche auch in modernisierten Tatrawagen in der Tschechischen Republik verwendet werden.
Alle T6-Großzüge sind im Betriebshof Nord beheimatet und kommen von dort aus planmäßig von Montag bis Freitag auf den Linien 1 und 9 zum Einsatz.
Aufgrund des fehlenden Tw 1286 gibt es neben den fünf Großzügen noch den Beiwagenzug Tw 1275 + Bw 2148 (im Magdeburger Sprachgebrauch als „Hängerzug“ bezeichnet), welcher im Betriebshof Südost stationiert ist. Er ist in der Regel auf den Linien 2, 3, 4 und 10 anzutreffen. Selten sind auch T6A2-Doppeltraktionen im Einsatz. Am Wochenende verkehren in Magdeburg planmäßig nur die Niederflurgelenktriebwagen. Bei Veranstaltungen in der Bördelandhalle oder bei Fußballspielen, die einen gesonderten Fahrzeugeinsatz erfordern, kommen gelegentlich die T6A2/B6A2 auch am Wochenende auf der Linie 15 zum Einsatz.
Magdeburg ist die einzige Stadt Deutschlands, in der typenreine Züge aus T6A2- und B6A2-Wagen verkehren. Auch mit der Ablösung der T6A2 und B6A2 voraussichtlich im Jahr 2012 wird die Ära der Tatrabahnen in Magdeburg nicht zu Ende sein. Aus Berlin wurden zwölf modernisierte B6A2 übernommen, von denen elf nach entsprechender Anpassung hinter den NGT8D zum Einsatz kommen sollen, um die Platzkapazität auf stark frequentierten Linien zu steigern.
Diesen Beitrag stellte uns Martin Junge von den Rostocker Nahverkehrsfreunden zur Verfügung. Der Text entstammt dem Manuskript „…“, für dessen Veröffentlichung als Broschüre die Rostocker Nahverkehrsfreunde gern Sponsoren gewinnen möchten. www.depot12.de
Fotos: Sebastian Schüßler, Ralf Kozica